889FM Kultur

LdM Favoritenliste Oktober 2022

 

Literatur des Monats – Ran ans Buch

„Literatur des Monats – ran ans Buch!“ Ist das nur eine weitere Bestsellerliste? Keineswegs. Der kommerzielle Erfolg ist für ein Buch zwar wichtig, jedoch ist er nur ein Faktor bei der Betrachtung und Beurteilung von Literatur. Von Büchern. Wir haben einen „ganzheitlicheren“ Ansatz und hieven also durchaus Bücher auf unsere Favoritenliste, die anderswo weniger Chancen haben. Zu unrecht.

Unsere Jury, zusammengesetzt aus den unbefangenen Gernleser:innen aus unserer Hörer:innenschaft und aus unseren versierten Literatur-Expert:innen, haben entschieden: Hier ist unsere Favoritenliste für den Monat Oktober 2022.

Ausgewählt nach Optik, Haptik, Klappentext, Satzspiegel, Illustrationen und Inhalt. In alphabetischer Ordnung. Wir präsentieren:

Ewald Arenz - Der große Sommer
Ewald Arenz

Literatur des Monats - Ran ans Buch - Siegertitel August 2022

Der große Sommer

 

Autor: Ewald Arenz – Verlag: Dumont

Der erste Sprung, die erste Liebe, das erste Unglück.

Die Zeichen auf einen entspannten Sommer stehen schlecht für Frieder: Nachprüfungen in Mathe und Latein. Damit fällt der Familienurlaub für ihn aus. Ausgerechnte beim gestrengen Großvater muss er lernen. Doch zum Glück gibt es Alma, Johann – und Beate, das Mädchen im flaschengrünen Badeanzug. In diesen Wochen erlebt Frieder alles: Freundschaft und Angst, Respekt und Vertrauen, Liebe und Todl. Ein großer Sommer, der sein ganzes Leben prägen wird.

Hellsichtig, klug und stets beglückend erzählt Ewald Arenz von den Momenten, die uns für immer verändern.

Rezension folgt in Kürze
Andreas Jungwirth - Im Atlas
Andreas Jungwirth

Im Atlas

 

Autor: Andreas Jungwirth – Verlag: Edition Atelier

 

Diesen Urlaub haben David und Stefan dringend nötig. Acht Tage Marokko, von Marrakesch in die Wüste – um dort den einzigartigen Nachthimmel zu sehen. Doch die Reise steht schon vor Beginn unter keinem guten Stern. Einen Tag vor dem Abflug geht ein Video von der Ermordung zweier Däninnen im Touristenort Imhil viral. Stefan will den Flug stornieren. Aber David, der sich von den Bildern auf seltsame Weise angezogen fühlt, überredet ihn, die Reise anzutreten. In Marokko bleibt die Stimmung angespannt. Sie sind sich uneinig, ob sie ihre Beziehung hier offen zeigen sollen, und ihr Fahrer Kalifa erscheint ihnen von Tag zu Tag rätselhafter. Als er David und Stefan im Hohen Atlas auf der Straße sitzen lässt, wandern sie wohl oder übel zum nächstgelegenen Ort: ausgerechnet nach Imhil …

Doro König - Verlorenes Glück
Doro König
(c) Team Schilf

Verlorenes Glück. Erzählungen für einen Neubeginn

 

Autorin: Doro König – Verlag: Edition Schreibstimme

 

Doro König, geboren 1978 in Leipzig, aufgewachsen in Hamburg, lebt in München. Sie ist Autorin, Schreibcoach und Lektorin. In ihren Texten spielt sie besonders gern mit den leisen Tönen und der Wahrnehmung hinter der Sprache.

Der alte Herr Miller, die namenlose Mutter, die Kinder- gärtnerin Elsa und das kleine mutterlose Mädchen – sie haben die Orientierung verloren und dazu ihre Sprache. Sie haben ihr Glück verloren, ihre Kindheit, ihre Heimat. Erlebten Flucht und wie ihre Liebe an der Stärke anderer abprallt. Indem sie ihre Sprache über das Erlebte finden, beginnt das Neue und das Glück blüht zart wieder auf.

Dieses Buch ist nicht laut, sondern leise. So leise wie die Menschen, denen es gewidmet ist. Ihnen soll es Mut machen, ihre eigene Stimme zu finden.

 

Oliver Tom Köster - Hotel of Memories
Oliver Tom Köster

Hotel of Memories

Autor: Oliver Tom Köster – Verlag: Spica

 

Nervende Gäste, nervende Chefs und nervende Kollegen spiegeln den Alltag von Charlie wider und tagtäglich wird er mit neuen Herausforderungen konfrontiert. Doch egal wie stressig und nervenaufreibend sein Job auch sein mag, er führt ihn mit Leib und Seele aus, bis er an seine körperlichen Grenzen kommt.

Nach einem schweren Unfall kehrt Charlie zurück in die Märchenwelt und begibt sich auf eine Reise in seine Vergangenheit, um sein Selbstbewusstsein wieder zu stärken.

Er erinnert sich an die vielen Erlebnisse von damals, die er in diesem Hotel mit seinen Freunden und anderen verrückten Menschen erleben durfte, und hat bald eine wichtige Entscheidung zu treffen.

Welcome to the Hotel of Memories!

Mach dich bereit auf die vielleicht letzte Achterbahnfahrt von Charlie und seinen Freunden.

“Erinnerungen sind Momente der Vergangenheit, die uns Kraft geben für die Zukunft.” (c) Helmut Marnet (*1961)

Christine Koschmieder - Dry
Christine Koschmieder
(c) Susanne Schleyer

Dry

 

Autorin: Christine Koschmieder – Verlag: Kanon

“Wild, poetisch, cool, politisch, persönlich und heilsam. Was für ein Buch!” Isabel Bogdan

Dry handelt vom Trinken und wie es einen Lebenslauf bestimmt. Und es handelt vom Aufhören. Es ist der Versuch einer Frau, sich nicht nur aus der Abhängigkeit vom Alkohol, sondern von falschten Ansichten freizumachen. Hellsichtig tritt sie eine Reise in die Kindheit, zum früh verstorbenen Mann, zu den eigenen Rollen als Mutter, Geliebte, Tochter an. – Ein mutiger autofiktionaler Roman, der unter die Haut geht.

“Hart an der Wirklichkeit und in seiner Verletzlichkeit bezaubernd.” Kaska Bryla

Friederike Kretzen - Bild vom Bild vom großen Mond

Bild vom Bild vom großen Mond

 

Autorin: Friederike Kretzen – Verlag: Dörlemann

Als Kind fuhr die Ich-Erzählerin im Küchenschrank ihrer Großmutter zur See. Heute reist sie im Flugzeug in den Iran. Die Liebe zur Ferne ist geblieben – und die Sehnsucht danach, den Raum zwischen dem Eigenen und dem Fremden zu überwinden.

Während sie durch Teheran streift, führt sie immer auch ihre Vergangenheit mit, die sich mit der Gegenwart überlappt. Und immer ist sie – geprägt von Lévi-Strauss’ Traurigen Tropen – auf der Suche nach einer Katze, mit der sie ein Gespräch führen kann …

“Immer wieder ist Friederike Kretzen in ihren Romanen eine große Reisende – und eine Forscherin. So entsteht … ein pulsierender Assoziationsraum, in dem schillernder Witz neben Trauer umd as Verpasste und Verlorene steht.” Franziska Hirsbrunner, SRF Literatur

FRIEDERIKE KRETZEN, 1956 in Leverkusen geboren, lebt seit 1983 als freie Autorin in Basel. Daneben ist sie als Literaturkritikerin, Essayistin und Dozentin tätig. Für ihre Romane wurde sie vielfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Schweizer Literaturpreis 2018. Zuletzt erschien ihr Roman Schule der Indienfahrer (2017).

Miku Sophie Kühmel - Triskele
Miku Sophie Kühmel
(c) Olga Blackbird

Triskele

Autorin: Miku Sophie Kühmel – Verlag: S. Fischer

 

Drei Schwestern aus drei Generationen. Eine Katze. Und ein Trauerjahr.

Sie treffen sich in der Wohnung ihrer Mutter. Mercedes ist 48, Mira ist 32, und Matea, die noch zu Hause in der Altmark lebt, ist 16. Mone hat sich das Leben genommen und ihren Töchtern nur wenig hinterlassen: abgelegten Schmuck, die alte Katze, einen Brief. Als Geschwister aus unterschiedlichen Generationen sind sie zwar mit derselben Frau aufgewachsen, aber nicht gemeinsam. Wer war Mone für jede einzelne von ihnen? Und was teilen die drei, wenn schon keine Erinnerungen?

„Miku Sophie Kühmel schaut mit genaum Blick auf die Schwierigkeiten, die Frauen quer durch die Generationen herausfordern – und erzählt dabei mit erhebender Leichtigkeit und großer Zärktlichkeit für ihre Figuren. So ist noch nie von Schwestern geschrieben worden!” Maria-Christina Piwowarski

Fabian Neidhardt - Immer noch wach
Fabian Neidhardt
(c) Daniel Gebhardt

Immer noch wach

Autor: Fabian Neidhardt – Verlag: Haymon

 

Was tun, wenn die Zeit fast abgelaufen ist – und dann stellt jemand die Uhr zurück?

Eine schreckliche Diagnose reißt den 30-jährigen Alex mitten aus einem Leben, in dem ihm alle Möglichkeiten offenstehen. Er beschließt, die verbleibenden guten Tage mit seinen Lieblingsmenschen zu genießen, sich dann aber zu verabschieden und in ein Hospiz zu gehen. Doch dort, in seinem letzten Zimmer, steht Alex plötzlich vor einer ganz neuen Herausforderung: Wie nutzt man Zeit, die man überraschend geschenkt bekommen hat?

“Immer noch wach erzählt elichtfüßig vom Schwermütigen, ist tragikomisch, gefühlich und voller Warmherzigkeit.” Mareike Wallwickl.

In den Kronen

Autor: Julian Schraven – Verlag: subkultur

Ein Buch über das Leben in einer Subkultur, geprägt von elektronischer Musik, Partys, Freundschaft, Drogen und Hedonismus. Ein Roman über ein Festival und eine Liebesgeschichte, vielleicht aber auch zwei:

»Ein Meer aus Köpfen und Händen, das wellenartig auf und nieder, vor und zurück tanzte. Menschen, zum Teil wild und bunt verkleidet, mal alleine, mal zu zweit, mal in Gruppen. Und zu jeder Gruppe gehört meistens ein Totem, lange Stäbe, die in die Luft gehalten wurden und an denen Lampenschirme, leuchtende Figuren, Logos, Laternen oder Raumschiffe hingen. Wenn am Ende der Stange ein Regenschirm befestigt und mit Plastiktüten, ein bisschen Lametta und Glitzer beklebt war, dann konnte das schon so aussehen, als würde eine Qualle über die Menge schwimmen.«

Leona Stahlmann - Diese ganzen belanglosen Wunder
Leona Stahlmann
(c) privat

Diese ganzen belanglosen Wunder

Autorin: Leona Stahlmann – Verlag: dtv

Eine karge Salzmarschlandschaft, eine stillgelegte Saline, ein Schuppen voller Seidenhühner. Hier lebt der Junge Zeno mit seiner Mutter Leda. Doch irgendwann kann Leda dem Jungen nicht länger beim Verlieren seiner Welt zusehen und verschwindet. Dafür taucht Katt in den Marschen auf, sie flieht vor einer verlorenen Liebe aus der großen Stadt am Fluss. Und genau die Fragen, die Leda zum Gehen bewegt haben, lassen Katt bei Zeno bleiben: Wie können wir die Hoffnung bewahren, wenn die Welt vor die Hunde geht? Und braucht ein Kind vier Jahreszeiten und eine Zukunft? Ein schillernder Roman über die zerstörerische, aber allzu emsnchliche Sehnsucht nach Natur, lebensrettende Wahlverwandtschaften und die Hoffnung, die in den Gezeiten liegt.

»Ein Roman von großer Sogkraft, der zart und dunkel, mit feiner Komik und kunstvoll verwobenen Motiven vom Muttersein und Kindsein erzählt – in einer Welt, die unterzugehen droht, in einer Zeit, wenn Trauer und Zuversicht sich vereinen.« Kristine Bilkau

»Ein Buch getragen von der abenteuerlichen Sehnsucht, dass Glück nicht nur ein Missverständnis sein darf.« Simon Strauß